Was empfehlen Tierärzte zur Beruhigung von Hunden?

Von Florian Schneider    An 27 Feb, 2026    Kommentare (0)

Was empfehlen Tierärzte zur Beruhigung von Hunden?

Wenn Ihr Hund ängstlich ist - ob bei Feuerwerken, Stürmen, Autofahrten oder beim Alleinsein - dann fragen Sie sich wahrscheinlich: Was tun? Viele Besitzer probieren verschiedene Mittel aus, aber nicht alle sind sicher oder wirksam. Tierärzte in Deutschland und den USA haben in den letzten Jahren klare, evidenzbasierte Empfehlungen entwickelt. Und nein, es geht nicht nur um Medikamente.

Was wirklich hilft: Die drei Säulen der Beruhigung

Tierärzte, die sich auf Verhaltensmedizin spezialisiert haben, empfehlen nicht einfach ein Produkt. Sie arbeiten mit einem Dreiklang: Umweltanpassung, Verhaltenstraining und unterstützende Substanzen. Jede dieser Säulen ist nötig. Keine allein reicht aus.

Erstens: Die Umwelt. Ein Hund, der bei Gewittern zittert, braucht keinen CBD-Öltropfen, sondern einen sicheren Raum. Dunkel, ruhig, mit bekannten Gerüchen. Ein Käfig mit Decke, die nach Ihnen riecht, oder ein spezieller Thundershirt, der sanften Druck ausübt, kann mehr bewirken als jedes Supplement.

Zweitens: Training. Hunde lernen Angst. Und sie können lernen, sie zu überwinden. Systematische Desensibilisierung, also das langsame, kontrollierte Aussetzen gegenüber dem Auslöser (z. B. Aufnahme von Gewittergeräuschen in immer höherer Lautstärke), hat in Studien eine Erfolgsquote von über 70 % bei Hunden mit Angststörungen. Das macht kein Produkt, das macht ein Tierarzt oder ein zertifizierter Hundetrainer.

Drittens: Unterstützende Substanzen. Hier kommen natürliche Mittel ins Spiel - und ja, CBD ist dabei. Aber nur als Ergänzung. Nicht als Lösung.

CBT für Hunde: Was CBD wirklich kann

CBD (Cannabidiol) ist kein Beruhigungsmittel im Sinne von Schlafmitteln oder Beruhigungstabletten. Es wirkt nicht sedierend. Es reguliert das Endocannabinoid-System - das ist das Netzwerk im Körper, das Stress, Angst und Entzündungen steuert. Bei Hunden mit Angststörungen hat eine Studie der Colorado State University (2023) gezeigt: Nach vier Wochen täglicher Gabe von 2 mg CBD pro Kilogramm Körpergewicht sanken die Anzeichen von Angst um durchschnittlich 52 %. Die Hunde wurden nicht müde, sie wurden ruhiger.

Wichtig: Es muss hunde-spezifisches CBD sein. Kein Mensch-Produkt. Kein Öl mit THC. THC ist für Hunde giftig. Selbst geringe Mengen können zu Erbrechen, Koordinationsstörungen oder Krampfanfällen führen. Die meisten Tierärzte empfehlen daher CBD-Öl mit 0 % THC, das aus organisch angebauter Hanfpflanze stammt und labortestet wurde.

Ein Beispiel: Ein 20 kg schwerer Border Collie bekommt 40 mg CBD pro Tag. Das entspricht etwa 1 ml Öl mit einer Konzentration von 40 mg/ml. Die Dosis wird über zwei Wochen langsam erhöht. Nie auf einmal. Und immer mit Futter verabreicht - das erhöht die Bioverfügbarkeit.

Was andere Mittel tun - und warum sie oft scheitern

Viele Besitzer greifen zu L-tryptophan, Melatonin oder Baldrian. Diese Stoffe haben eine wissenschaftliche Grundlage - aber nur in sehr begrenztem Umfang.

  • L-tryptophan: Ein Aminosäure-Vorläufer von Serotonin. Kann bei leichten Ängsten helfen, aber nur, wenn der Hund auch genug Protein isst. Bei Futterumstellungen oder Magenproblemen wirkt es kaum.
  • Melatonin: Hilft bei Schlafstörungen, nicht bei Angst. Ein Hund, der vor dem Gewitter zittert, schläft trotz Melatonin nicht ein - er wird nur müde und weiterhin ängstlich.
  • Baldrian: Studien zeigen, dass es bei 20-30 % der Hunde wirkt. Bei den meisten hat es keine Wirkung. Und manche reagieren mit Hyperaktivität - nicht mit Beruhigung.

Ein weiterer Fehler: Die Gabe zu spät. Viele geben CBD erst, wenn das Gewitter losgeht. Das ist zu spät. CBD braucht 30-60 Minuten, um im Blut anzukommen. Wenn Sie es 90 Minuten vor dem Auslöser geben, wirkt es viel besser.

Ein Hundetrainer führt ein Training zur Desensibilisierung gegen Gewittergeräusche durch.

Was Tierärzte wirklich empfehlen - die Checkliste

Im Klinikalltag in Leipzig, München und Berlin haben Tierärzte eine einfache Checkliste entwickelt. Hier ist, was sie Ihren Hund wirklich braucht:

  1. Vermeiden Sie Stressoren, wenn möglich. Lassen Sie den Hund bei Feuerwerken nicht allein. Fahren Sie nicht mit ihm zum Autokauf, wenn er panisch wird.
  2. Bauen Sie einen sicheren Ort auf. Mit Decke, Spielzeug, und einem Futterpuzzle, das ihn beschäftigt.
  3. Trainieren Sie mit einem Profi. Suchen Sie einen Verhaltensberater mit Zertifikat (z. B. IHK oder VDH). Mindestens 6 Sitzungen.
  4. Probieren Sie CBD-Öl mit 0 % THC. Wählen Sie ein Produkt mit labortesteter Reinheit (z. B. mit Zertifikat für Schwermetalle und Pestizide). Beginnen Sie mit 0,1 mg pro kg Körpergewicht, steigern Sie nach 5 Tagen.
  5. Beobachten Sie genau. Notieren Sie, wann der Hund ruhiger wird. Gibt es Nebenwirkungen? Durchfall? Müdigkeit? Melden Sie das Ihrem Tierarzt.

Was Sie vermeiden müssen

Es gibt Dinge, die Tierärzte vehement abraten:

  • Keine Menschen-CBD-Produkte. Die Dosierung ist falsch. Die Zusatzstoffe (wie Aromen oder Konservierungsstoffe) können giftig sein.
  • Keine Beruhigungstabletten ohne Rezept. Medikamente wie Alprazolam (Xanax) oder Diazepam (Valium) sind bei Hunden riskant. Sie können Atemdepression, Leberschäden oder unerwartete Aggression auslösen.
  • Keine Aromatherapie mit ätherischen Ölen. Lavendel, Zitronengras oder Eukalyptus - sie sind für Hunde oft toxisch, besonders in konzentrierter Form.
  • Kein „Warten, bis es besser wird“. Angst wird mit der Zeit schlimmer, nicht besser. Jeder Tag ohne Intervention ist ein Tag, an dem Ihr Hund leidet.
CBD-Öl wird mit klarem Dosierungsplan und labortestetem Etikett einem Hund verabreicht.

Woher kommen die Produkte?

In Deutschland ist CBD für Tiere nicht als Arzneimittel zugelassen. Das bedeutet: Es gibt keine offiziellen Zulassungen. Aber es gibt Qualitätsstandards. Der Deutsche Verband für Tiergesundheit hat 2025 eine Richtlinie veröffentlicht, die nur Produkte mit folgenden Kriterien empfiehlt:

  • 100 % THC-frei (nach GC-MS-Test)
  • Keine Zusatzstoffe (nur Hanföl + CBD-Extrakt)
  • Labortestbericht für Schwermetalle, Pestizide und Mikroben
  • Klare Dosierungsanleitung pro kg Körpergewicht

Suchen Sie nach Produkten, die diese Punkte nennen. Ein seriöser Hersteller stellt den Testbericht online zur Verfügung - meist als QR-Code auf der Flasche.

Was passiert, wenn es nicht hilft?

Wenn nach 6 Wochen CBD, Training und Umweltanpassung keine Verbesserung eintritt, ist es Zeit für eine medizinische Untersuchung. Manchmal steckt eine Schilddrüsenunterfunktion, eine Schmerzquelle oder eine neurologische Störung hinter der Angst. Ein Tierarzt kann Blutwerte prüfen, Röntgen oder MRT anordnen. Angst ist nicht immer „nur“ psychisch. Manchmal ist sie körperlich.

Ist CBD für Hunde legal in Deutschland?

Ja, CBD-Öl mit 0 % THC ist legal, solange es nicht als Arzneimittel vermarktet wird. Es wird als Futtermittelzusatz eingestuft. Wichtig: Es darf kein THC enthalten. Produkte mit auch nur 0,1 % THC sind illegal und können strafrechtliche Konsequenzen haben.

Kann CBD Hunde süchtig machen?

Nein. CBD bindet nicht an die gleichen Rezeptoren wie THC und hat kein Suchtpotential. Es wirkt regulierend, nicht suchterzeugend. Studien über mehrere Jahre zeigen keine Anzeichen von Abhängigkeit oder Entzugssymptomen bei Hunden.

Wie lange dauert es, bis CBD wirkt?

Bei oraler Gabe (Öl unter die Zunge oder mit Futter) beginnt die Wirkung nach 30-60 Minuten. Die volle Wirkung entfaltet sich nach 2-4 Wochen regelmäßiger Anwendung. Kurzfristige Gabe vor einem Feuerwerk hat nur begrenzte Wirkung - es ist kein Notfallmittel.

Welche Nebenwirkungen kann CBD haben?

Die häufigsten Nebenwirkungen sind leichte Müdigkeit, trockener Mund oder Durchfall - besonders bei zu hoher Dosis. Selten: veränderte Leberwerte. Deshalb: Immer mit dem Tierarzt abklären, besonders wenn Ihr Hund Medikamente nimmt (z. B. Epilepsie-Medikamente).

Soll ich CBD mit anderen Mitteln kombinieren?

Nur unter tierärztlicher Aufsicht. CBD kann die Wirkung von Medikamenten wie Phenobarbital, Diazepam oder Blutverdünner beeinflussen. Kombinationen mit L-tryptophan oder Melatonin sind in der Regel sicher, aber nicht immer nötig. Weniger ist oft mehr.

Was als nächstes tun?

Wenn Ihr Hund Angst hat: Beginnen Sie nicht mit CBD. Beginnen Sie mit einem Besuch beim Tierarzt. Lassen Sie körperliche Ursachen ausschließen. Holen Sie sich einen Verhaltensberater. Bauen Sie einen sicheren Raum. Und erst dann, wenn alles andere im Griff ist, probieren Sie CBD - mit klarem Ziel, klarer Dosis und klarem Zeitplan. Es ist kein Wundermittel. Aber es ist ein Werkzeug. Und wenn es richtig eingesetzt wird, kann es Ihr Hundes Leben verändern.