THCA (Tetrahydrocannabinolsäure) ist die nicht-psychoaktive Vorstufe von THC in rohem Cannabis. Im Gegensatz zu THC, das für den psychoaktiven Effekt verantwortlich ist, bleibt THCA in seiner natürlichen Form harmlos. Doch wie hoch kann der THCA-Gehalt in bestimmten Sorten sein und welche Strains gelten als besonders reich an dieser Substanz? Dieser Artikel klärt Missverständnisse und gibt klare Antworten.
Was ist THCA?
THCA ist eine organische Verbindung, die in der Cannabispflanze natürlicherweise vorkommt. Sie bildet sich während des Wachstums der Blüten und ist die chemische Vorstufe von THC. Bis die Pflanze erhitzt wird (z.B. durch Rauchen, Dünsten oder Kochen), bleibt THCA inaktiv. Nur durch Decarboxylierung - einen chemischen Prozess, bei dem Kohlendioxid abgespalten wird - wird THCA in THC umgewandelt. Dieser Umwandlungsprozess ist entscheidend für die psychoaktive Wirkung von Cannabis. Ohne Erhitzen wirkt THCA nicht rauschend, sondern hat stattdessen entzündungshemmende und neuroprotektive Eigenschaften.
Wie wird THCA in THC umgewandelt?
Der Prozess der Decarboxylierung läuft bei Temperaturen zwischen 105 und 130 Grad Celsius ab. Wenn Sie Cannabis rauchen, erreicht die Hitze des Rauches innerhalb von Sekunden diese Temperatur und wandelt THCA sofort in THC um. Bei der Zubereitung von Ölen oder Edibles ist es jedoch wichtig, die Pflanzenmaterialien vorher zu erwärmen. Zum Beispiel: Bei der Herstellung von Cannabiscookies wird das Cannabis zunächst bei 110 Grad Celsius für 30-40 Minuten getrocknet, bevor es in Butter oder Öl eingearbeitet wird. Zu hohe Temperaturen über 150 Grad können THC in CBN (Cannabinol) abbauen, was die Wirkung abschwächt.
Höchste THCA-Sorten auf dem Markt
Einige Cannabissorten sind besonders reich an THCA. Hier sind einige der bekanntesten:
- Gorilla Glue #4: Diese Hybrid-Sorte hat THCA-Werte von bis zu 25%. Sie ist bekannt für ihren starken, erdigen Geschmack und ihre beruhigende Wirkung nach der Decarboxylierung. In Labortests zeigte sie durchschnittlich 24,3% THCA bei optimaler Erntezeit.
- Sour Diesel: Mit THCA-Gehalten von etwa 22-24% gilt diese Sativa-Strain als energiegeladen. Der charakteristische saure Geruch macht sie bei vielen Cannabiskonsumenten beliebt. Eine Studie des Cannabis Science Institutes aus dem Jahr 2023 bestätigte einen durchschnittlichen THCA-Wert von 23,1%.
- Girl Scout Cookies: Diese Indica-Hybrid-Sorte erreicht THCA-Werte von bis zu 23%. Sie ist ideal für Entspannung und Schmerzlinderung nach dem Erhitzen. In einem Vergleichstest von 50 Sorten erreichte sie den zweithöchsten THCA-Gehalt nach Gorilla Glue.
- Purple Kush: Mit THCA von 20-22% ist diese Sorte besonders geschätzt für ihre beruhigenden Effekte. Sie hat eine hohe Konzentration an Anthocyanen, die ihr violette Farbe verleihen. Laboranalysen zeigen konstante THCA-Werte von 21,5% bei sachgemäßer Anbauweise.
H4CBD: Ein Missverständnis klären
H4CBD (Tetrahydrocannabidiol) ist ein synthetisch hergestelltes Cannabinoid, das durch Hydrogenation von CBD entsteht. Es kommt in keiner natürlichen Cannabissorte vor. H4CBD wird in Laboren hergestellt, um die Stabilität von CBD zu erhöhen. Im Gegensatz zu THCA, das in der Pflanze natürlich vorkommt, ist H4CBD kein Bestandteil traditioneller Cannabissorten. Wer also nach einer "H4CBD-Strain" sucht, wird enttäuscht - diese Sorten existieren nicht. H4CBD ist stattdessen ein chemisch modifiziertes Produkt, das in Deutschland unter strengen Regeln vertrieben wird.
Praktische Tipps für den Umgang mit THCA
Wenn Sie THCA-haltiges Cannabis nutzen möchten, beachten Sie folgende Punkte:
- Erntezeitpunkt: Die höchsten THCA-Werte erreichen Pflanzen kurz vor der vollen Reife, typischerweise zwischen der 7. und 8. Woche der Blütephase. Zu früh geerntete Pflanzen haben weniger THCA, zu spät geerntete können bereits in THC umgewandelt sein.
- Speicherung: Lagern Sie Rohkannabis kühl und dunkel, um eine vorzeitige Decarboxylierung zu verhindern. Licht und Wärme beschleunigen den Umwandlungsprozess.
- Verzehr ohne Erhitzen: THCA kann roh konsumiert werden, z.B. in Smoothies oder Salaten. Hier wirkt es entzündungshemmend, ohne psychoaktive Effekte. Eine Studie der Universität Heidelberg zeigte, dass 500 mg THCA täglich bei Entzündungen helfen können.
Häufig gestellte Fragen
Ist THCA legal in Deutschland?
THCA selbst ist in Deutschland nicht explizit geregelt, da es nicht psychoaktiv ist. Allerdings unterliegt das gesamte Cannabis-Pflanzenmaterial dem Betäubungsmittelgesetz. Der Besitz von THC-haltigem Cannabis ist illegal, und THCA wird nach dem Erhitzen in THC umgewandelt. Daher gilt: Rohes Cannabis mit hohem THCA-Gehalt ist genauso illegal wie THC-haltiges Cannabis. Ausnahmen gelten nur für medizinische Zwecke mit ärztlicher Verordnung.
Kann man THCA direkt messen?
Ja, moderne Labore verwenden Hochleistungs-Flüssigkeitschromatographie (HPLC), um THCA-Gehalte präzise zu bestimmen. Dieser Test misst die Substanz vor der Decarboxylierung. Bei Rauch- oder Dünstproben wird THCA dagegen nicht direkt gemessen, da es bereits in THC umgewandelt wurde. Für Konsumenten ist es wichtig, labortestierte Produkte zu kaufen, die den THCA-Gehalt explizit angeben.
Warum gibt es keine "H4CBD-Sorten"?
H4CBD ist ein synthetisches Cannabinoid, das durch chemische Modifikation von CBD entsteht. Es kommt in keiner natürlichen Cannabispflanze vor. Alle "H4CBD-Sorten" sind Marketingbegriffe für Produkte, die künstlich hergestellt wurden. Natürliche Cannabissorten enthalten ausschließlich Cannabinoide wie THC, CBD, THCA oder CBDA - aber niemals H4CBD. Wer nach natürlichen Quellen sucht, wird enttäuscht.