Hast du dich gerade zu viel zugelegt? Vielleicht war es eine zu starke Dose eines Cannabis-Energy-Drinks, ein besonders potentes Joint oder einfach zu viele Cannabiskapseln auf einmal. Plötzlich ist die Welt nicht mehr nur entspannt, sondern bedrohlich nah. Das Herz klopft wie wild, Schweiß bricht aus, Panik steigt in der Brust hoch und das Gefühl, die Kontrolle komplett zu verlieren, ist überwältigend. Fachleute nennen diesen Zustand „Greening Out“. Es fühlt sich an, als würde man sterben - aber hier ist die gute Nachricht: Du wirst es nicht tun. Es ist unangenehm, vielleicht sogar erschreckend, aber physiologisch gesehen nicht lebensbedrohlich.
Das Wichtigste zuerst: Atme. Ja, ich weiß, das klingt nach einem Klischee, aber dein Körper schreit buchstäblich nach Sauerstoff. Wenn du hyperventilierst, weil dir angst ist, sinkt dein CO2-Spiegel im Blut, was die Panikattacke weiter verschlimmert. Versuche, langsam durch die Nase einzuatmen (zähle bis vier), die Luft kurz anzuhalten und dann langsam durch den Mund auszuatmen (zähle bis sechs). Dieser einfache Trick signalisiert deinem Nervensystem, dass keine unmittelbare Gefahr besteht. Dein Parasympathikus, also der Teil des Nervensystems, der für Ruhe zuständig ist, kann erst dann einspringen, wenn du ihm diese Chance gibst.
Die akute Phase: Sofortmaßnahmen gegen die Übelkeit
Oft geht mit dem Greening Out auch Übelkeit oder gar Erbrechen einher. Das ist eine normale Reaktion deines Körpers darauf, dass er eine Überlastung der Rezeptoren wahrnimmt. Wenn du das Gefühl hast, gleich übergeben zu müssen, suche dir einen sicheren Ort. Eine Toilette oder ein Eimer sind deine besten Freunde in diesem Moment. Zwing dich nicht dazu, wach zu bleiben, wenn du dich ohnmächtig fühlst, aber achte darauf, auf der Seite zu liegen, falls du doch einschläfst, um keinen Erbrochenen einzusaugen.
Wasser ist essenziell, aber trinke es in kleinen Schlucken. Ein großer Krug Wasser auf einmal löst oft sofort Erbrechen aus. Nimm lieber alle paar Minuten einen kleinen Schluck stilles Wasser. Wenn du Zugang zu Ingwer hast, ist das Gold wert. Ingwertee oder ein Stück frischer Ingwer können die Magenschleimhaut beruhigen und die Übelkeit deutlich lindern. Auch Zitronensaft auf der Zunge kann helfen, den Geschmack von Cannabis im Mund zu neutralisieren und den Brechreiz zu unterdrücken.
CBD als Gegengewicht zum THC
Eine der effektivsten Methoden, um den Effekt von zu viel THC (Tetrahydrocannabinol) zu mildern, ist die Einnahme von CBD (Cannabidiol). Während THC psychoaktiv wirkt und Angstzustände sowie Paranoia fördern kann, wirkt CBD beruhigend und kann einige der negativen Effekte von THC abpuffern. CBD bindet an andere Rezeptoren im Endocannabinoid-System und kann so die Überstimulation durch THC dämpfen.
Wenn du CBD-Öl oder -Kapseln zu Hause hast, nimm eine moderate Dosis ein. Es wirkt nicht innerhalb von Sekunden, aber innerhalb von 15 bis 30 Minuten sollte sich eine Beruhigung einstellen. Achte darauf, dass das Produkt frei von THC ist, damit du nicht noch mehr davon zuführst. Viele Menschen schwören auf diese Methode, da sie direkt am Wirkmechanismus ansetzt, anstatt nur Symptome zu bekämpfen.
Durchblutung ankurbeln und Wärme suchen
Ein kalter Raum kann das Gefühl der Isolation und Angst verstärken. Suche dir eine warme Decke oder ziehe bequeme, warme Kleidung an. Kälte kann die Durchblutung verlangsamen und den Schockzustand vertiefen. Wärme hingegen fördert die Entspannung der Muskulatur und sendet Signale der Sicherheit an das Gehirn.
Bewegung hilft ebenfalls, den Stoffwechsel anzukurbeln und das THC schneller abzubauen. Wenn du dich nicht ohnmächtig fühlst, gehe spazieren. Frische Luft und leichte Bewegung helfen, den Kreislauf in Gang zu bringen. Vermeide jedoch anstrengenden Sport, da dein Körper bereits gestresst ist. Ein langsamer Spaziergang im Park reicht völlig aus. Die Kombination aus Bewegung, frischer Luft und Wärme kann Wunder wirken.
Mentale Strategien: Den Gedankenstrom stoppen
Der psychologische Aspekt des Greenings Out ist oft schlimmer als der physische. Deine Gedanken rasen, du fürchtest dich vor dem eigenen Zustand. Hier kommt es darauf an, deinen Fokus nach außen zu lenken. Versuche, Dinge in deiner Umgebung zu benennen. Nenne fünf Dinge, die du siehst, vier Dinge, die du berühren kannst, drei Dinge, die du hörst, zwei Dinge, die du riechst und eine Sache, die du schmecken kannst. Diese sogenannte „Grounding-Technik“ holt dich aus dem Kopf zurück in die Gegenwart.
Rede mit jemandem, dem du vertraust. Oft genügt es schon, wenn eine Person bei dir sitzt, leise spricht und dich daran erinnert, dass alles gut wird. Isolation verstärkt die Paranoia. Wenn niemand da ist, höre dir ruhige Musik oder ein vertrautes Hörbuch an. Lärm und chaotische Geräusche sollten vermieden werden, da sie die sensorische Überlastung erhöhen.
| Mach das | Vermeide das |
|---|---|
| Tiefe Bauchatmung üben | Weiteres Konsumieren von Cannabis oder Alkohol |
| Kleine Schlucke Wasser trinken | Große Mengen Kaffee oder Energiegetränke |
| CBD-Öl einnehmen (falls verfügbar) | Anstrengende körperliche Aktivitäten |
| Warme Decke nutzen | Kalte Duschen (können den Schock verstärken) |
| Sich mit einer vertrauten Person austauschen | Isolation und Grübeln |
Warum passiert das überhaupt?
Um das Greening Out zu verstehen, muss man wissen, wie Cannabis wirkt. THC bindet an CB1-Rezeptoren im Gehirn, die unter anderem für Stimmung, Gedächtnis und Schmerzempfinden zuständig sind. Bei hoher Dosierung werden zu viele dieser Rezeptoren gleichzeitig aktiviert. Das führt zu einer Überflutung des Systems. Besonders kritisch ist dabei die Wechselwirkung mit dem Amygdala, dem Angstzentrum im Gehirn. Wird dieses übermäßig stimuliert, entsteht Panik.
Bei Cannabis-Getränken kommt ein weiterer Faktor hinzu: Die Leberverarbeitung. Wenn du Cannabis isst oder trinkst, muss es erst durch die Leber wandern. Dort wird Delta-9-THC in 11-Hydroxy-THC umgewandelt. Diese Metaboliten sind lipophiler und dringen stärker in das Gehirn ein. Sie wirken intensiver und länger anhaltend als inhaliertes Cannabis. Daher treten Green-Outs bei ediblen Produkten und Getränken häufiger und heftiger auf als beim Rauchen.
Vorbeugung für die Zukunft
Nachdem du wieder bei Kräften bist, lohnt es sich, über Prävention nachzudenken. Der goldene Satz im Cannabis-Konsum lautet: „Start low, go slow.“ Beginne immer mit einer niedrigen Dosis und warte mindestens zwei Stunden, bevor du mehr konsumierst. Besonders bei neuen Produkten wie Cannabis-Energy-Drinks ist Vorsicht geboten, da die Wirkung verzögert eintritt.
Achte auf die Dosierungsangaben auf der Verpackung. In Deutschland und vielen anderen Ländern sind Produkte oft mit Milligramm-Angaben pro Portion versehen. Für Anfänger sind 2,5 bis 5 mg THC eine sichere Startdosis. Erfahrene Konsumenten sollten vorsichtig sein, wenn sie von inhalativ auf edibel wechseln, da die Toleranz nicht linear übertragbar ist.
Lagere deine Cannabisprodukte sicher und klar beschriftet. Verwechslungen passieren leider öfter, als man denkt. Und halte immer CBD bereit, falls du merkst, dass die Dosis doch etwas zu hoch ausfällt. Mit diesen Maßnahmen kannst du zukünftige Green-Outs weitgehend vermeiden und den Konsum weiterhin sicher genießen.
Wie lange dauert ein Greening Out?
Die Dauer hängt stark vom Konsumweg ab. Bei gerauchtem Cannabis hält die akute Phase meist 1 bis 3 Stunden an. Bei ediblen Produkten wie Cannabis-Energy-Drinks kann die Wirkung aufgrund der Lebermetabolisierung 6 bis 8 Stunden oder länger andauern. Die schlimmsten Symptome wie Panik und Übelkeit lassen jedoch meist nach 1 bis 2 Stunden nach.
Hilft Kaffee wirklich gegen einen Greening Out?
Kaffee enthält Koffein, das den Puls erhöht und die Anspannung steigern kann. Da bei einem Greening Out das Herz oft schon schnell schlägt und die Angst hoch ist, kann Koffein die Symptome verschlimmern. Besser ist es, auf koffeinhaltige Getränke zu verzichten und stattdessen Wasser oder Kräutertees zu trinken.
Ist ein Greening Out gefährlich für die Gesundheit?
Nein, ein reines Greening Out ist medizinisch gesehen nicht lebensbedrohlich. Es gibt keine dokumentierten Fälle von Todesfällen durch eine reine Cannabisüberdosis. Allerdings kann die extreme Panik und Übelkeit sehr belastend sein. Wenn zusätzliche Substanzen wie Alkohol oder Medikamente im Spiel sind, sollte man vorsichtig sein und im Zweifel ärztlichen Rat suchen.
Kann man sich selbst ins Koma rauchen?
Nein, Cannabis allein führt nicht zum Koma. Die Rezeptoren im Hirnstamm, die für die Atmung zuständig sind, werden von THC nicht gehemmt. Man kann zwar das Gefühl haben, bewusstlos zu werden, aber die vitalen Funktionen bleiben erhalten. Das unterscheidet Cannabis fundamental von Opioiden oder Alkohol.
Was ist der Unterschied zwischen Greening Out und einer Panikattacke?
Ein Greening Out ist im Wesentlichen eine durch THC induzierte Panikattacke kombiniert mit physiologischen Symptomen wie Übelkeit und Herzklopfen. Der Auslöser ist hier eindeutig die Substanz. Eine spontane Panikattacke kann ohne Drogenkonsum auftreten. Die Behandlungsmethoden sind jedoch ähnlich: Beruhigung, Atemtechniken und Sicherheit geben.