Was ist der Unterschied zwischen THCV und HHC? - Wirkung, Herkunft und Anwendung verglichen

Von Annika Roth    An 4 Jan, 2026    Kommentare (0)

Was ist der Unterschied zwischen THCV und HHC? - Wirkung, Herkunft und Anwendung verglichen

Wenn du dich mit Cannabinoiden beschäftigst, stößt du schnell auf Begriffe wie THCV und HHC. Beide sind nicht-psychoaktive oder nur leicht psychoaktive Verbindungen aus der Cannabis-Pflanze - aber sie wirken völlig anders und haben unterschiedliche Herkünfte. Viele verwechseln sie, weil sie ähnlich klingen. Doch wer sie wirklich versteht, kann gezielter nutzen, was die Pflanze zu bieten hat.

Was ist THCV?

THCV steht für Tetrahydrocannabivarin. Es ist ein natürlich vorkommendes Cannabinoid, das vor allem in bestimmten afrikanischen und südostasiatischen Cannabis-Sorten vorkommt - etwa in Durban Poison oder Malawi Gold. Im Gegensatz zu THC ist THCV in der Regel nur in geringen Mengen enthalten, meist unter 1 %.

THCV wirkt wie ein Teilnehmer im Endocannabinoid-System: Bei niedrigen Dosen blockiert es die CB1-Rezeptoren, die sonst von THC aktiviert werden. Das bedeutet: Es kann die typischen Effekte von THC abschwächen - etwa den Heißhunger oder die Gedächtnisbeeinträchtigung. Bei höheren Dosen wird THCV selbst psychoaktiv, aber anders als THC: Es gibt einen klaren, energiegeladenen Kopfhigh, der schnell kommt und ebenso schnell wieder vergeht. Kein zäher, langer Rausch.

Studien zeigen, dass THCV möglicherweise den Blutzuckerspiegel reguliert und den Insulinhaushalt verbessert. Eine 2016 veröffentlichte Studie an Menschen mit Typ-2-Diabetes ergab, dass THCV die Nüchternblutzuckerwerte senkte und die Funktion der Bauchspeicheldrüse unterstützte. Es wird auch als Appetitzügler erforscht - ideal für Menschen, die bewusst weniger essen möchten, ohne sich hungrig zu fühlen.

Was ist HHC?

HHC, oder Hexahydrocannabinol, ist kein natürliches Cannabinoid - zumindest nicht in nennenswerten Mengen. Es entsteht durch eine chemische Umwandlung von CBD oder THC, meist mit Wasserstoff und einem Katalysator. Diese Methode nennt man Hydrierung. Sie wurde ursprünglich in den 1940er Jahren von Roger Adams entwickelt, aber erst in den letzten Jahren als Produkt in Cannabiskonsumgütern populär.

HHC ist halb synthetisch, aber nicht vollständig künstlich. Es kommt in winzigen Spuren in Cannabis vor, aber die Menge ist so gering, dass es für kommerzielle Nutzung nicht nutzbar wäre. Deshalb wird es heute fast ausschließlich im Labor hergestellt. Die chemische Struktur ähnelt THC, aber durch die Hydrierung sind die Doppelbindungen gesättigt - das macht es stabiler und länger haltbar.

Wirklich interessant ist: HHC wirkt ähnlich wie THC, aber schwächer. Die meisten Nutzer beschreiben es als einen sanften, klaren Rausch - weniger Angst, weniger Paranoia, weniger Gedächtnisverlust. Es hält länger an als THCV, aber kürzer als klassisches THC. Einige berichten von leichten körperlichen Entspannungseffekten, ohne die typische Couchlock-Wirkung.

Ein wichtiger Punkt: HHC ist in vielen Ländern rechtlich in einer Grauzone. Da es nicht direkt aus THC hergestellt wird, sondern über CBD, versuchen Anbieter, es als „nicht-THC“-Produkt zu verkaufen. In Deutschland ist es aber seit 2023 als Betäubungsmittel eingestuft - es ist also nicht legal zum Verkauf oder Konsum.

Zwei Figuren: eine energiegeladen mit THCV-Symbol, eine entspannt mit HHC-Symbol, unterschiedliche Lichtwirkungen.

THCV vs. HHC: Der Vergleich

Unterschiede zwischen THCV und HHC
Eigenschaft THCV HHC
Herkunft Natürlich in bestimmten Cannabis-Sorten Chemisch hergestellt aus CBD oder THC
Psychoaktivität Nur bei hohen Dosen; sonst blockiert THC Ja, ähnlich wie THC, aber milder
Dauer der Wirkung Kurz (1-3 Stunden) Mittel (3-6 Stunden)
Hauptwirkung Appetitzügler, Blutzuckerregulierung Entspannung, leichte Euphorie
Rechtlicher Status in Deutschland Illegal als Cannabis-Derivat Illegal seit 2023 (BtM-Anlage I)
Typische Anwendung Diabetes-Unterstützung, Gewichtsmanagement Alternativer Rausch, Schlafunterstützung

THCV ist kein Ersatz für THC - es ist eher ein Gegenspieler. HHC hingegen ist ein Ersatz für THC, wenn man einen sanfteren Rausch sucht. Wer also nach einem klaren, fokussierten Effekt sucht, ohne Heißhunger, ist mit THCV besser bedient. Wer eine leichte Entspannung will, ohne die starke Wirkung von THC, könnte HHC als Alternative suchen - auch wenn es rechtlich riskant ist.

Warum ist die Herkunft so wichtig?

THCV ist ein natürlicher Bestandteil der Pflanze. Es entsteht durch den gleichen Biosyntheseweg wie THC, nur mit einem kürzeren Seitenarm in der Molekülstruktur. Das macht es zu einem echten Cannabinoid - nicht manipuliert, nicht synthetisiert.

HHC hingegen ist ein chemisches Produkt. Selbst wenn es aus CBD aus Hanf gewonnen wird, verändert die Hydrierung die Struktur so stark, dass es als neuer Stoff gilt. Das bedeutet: Es gibt keine natürliche Dosis, keine natürliche Wirkungskurve. Jeder Hersteller kann es anders herstellen - und das führt zu stark variierenden Reinheitsgraden. Einige Produkte enthalten Spuren von Schwermetallen oder unvollständig reagierten Chemikalien.

Das ist kein theoretisches Problem. Im Jahr 2024 wurden in Deutschland mehrere HHC-Produkte zurückgerufen, weil sie unerlaubte Nebenprodukte wie Delta-8-THC oder Delta-10-THC enthielten - Substanzen, die explizit verboten sind. THCV-Produkte dagegen, wenn sie aus kontrolliertem Cannabis stammen, haben eine klarere Zusammensetzung.

Molekulare Struktur von THCV und HHC im Vergleich: natürliche Form vs. chemisch verändert mit Impuritäten.

Was kannst du damit machen?

Wenn du an medizinischer Anwendung interessiert bist: THCV hat das größere Potenzial. Es wird in klinischen Studien zur Behandlung von Diabetes, Fettleibigkeit und sogar Parkinson untersucht. In den USA gibt es bereits Präparate mit reinem THCV, die als Nahrungsergänzung vermarktet werden - aber nur in Bundesstaaten mit legalen Cannabis-Märkten.

HHC wird hauptsächlich als Freizeitdroge konsumiert. Es wird in Form von Vapes, Gummibärchen oder Ölen verkauft - oft mit der Behauptung, es sei „legal“ oder „nicht nachweisbar“ im Drogentest. Das ist falsch. HHC wird in modernen Drogentests erkannt, weil es ähnliche Metaboliten wie THC bildet.

Ein praktischer Tipp: Wenn du THCV probieren willst, suche nach Cannabis-Sorten mit hohem THCV-Gehalt - etwa aus Afrika oder Asien. Es gibt auch Extrakte mit 10-20 % THCV, aber diese sind selten und teuer. HHC-Produkte findest du leichter - aber du solltest dir bewusst sein: Du kaufst ein chemisch verändertes Produkt mit unbekannten Langzeitwirkungen.

Welches Cannabinoid ist für dich das Richtige?

Frage dich:

  • Möchtest du Appetit unterdrücken oder Blutzucker stabilisieren? → Dann ist THCV deine Wahl.
  • Willst du einen leichten, klaren Rausch ohne Angst oder Schläfrigkeit? → Dann könnte HHC interessant sein - aber nur, wenn du die rechtlichen Risiken akzeptierst.
  • Suchst du eine sichere, langfristige Anwendung? → Dann vermeide HHC. Es gibt zu wenig Forschung über seine Wirkung über Monate oder Jahre.

THCV ist ein Nischenstoff mit großer medizinischer Zukunft. HHC ist ein Trendstoff mit vielen Risiken. Beide sind nicht gleich - und beide sind nicht für jeden geeignet.

Ist THCV legal in Deutschland?

Nein. THCV ist ein Cannabinoid, das aus der Cannabis-Pflanze stammt. In Deutschland ist jeder Wirkstoff, der aus Cannabis gewonnen wird und psychoaktiv wirkt, gemäß Betäubungsmittelgesetz (BtM) verboten - unabhängig davon, ob er natürlich oder synthetisch ist. Auch THCV-Extrakte sind illegal zum Verkauf oder Konsum.

Kann HHC im Drogentest nachgewiesen werden?

Ja. Obwohl HHC anders strukturiert ist als THC, bildet der Körper ähnliche Abbauprodukte (Metaboliten), die von Standard-Drogentests erkannt werden. Viele Anbieter behaupten das Gegenteil - das ist irreführend und gefährlich.

Hat THCV Nebenwirkungen?

Bei hohen Dosen kann THCV leichte Unruhe, Herzrasen oder Kopfschmerzen verursachen. Da es den Appetit unterdrückt, ist es nicht geeignet für Menschen mit Essstörungen. Langfristige Studien fehlen noch, aber bisher gibt es keine Hinweise auf schwere Schäden.

Ist HHC sicherer als THC?

Nicht unbedingt. HHC wirkt milder, aber es ist ein chemisch verändertes Produkt. Die Herstellung erfolgt oft ohne strenge Qualitätskontrolle. Es können giftige Rückstände enthalten sein. THC aus kontrolliertem Anbau ist oft die sicherere Wahl - wenn es legal verfügbar ist.

Wo kann man THCV kaufen?

In Deutschland ist der Verkauf von THCV illegal. In Ländern wie den USA, wo Cannabis legal ist, gibt es spezialisierte Anbieter, die THCV-Öle oder -Kapseln verkaufen. Achte immer auf Laborzertifikate (COA) und vermeide Produkte ohne klare Zusammensetzung.