CBD und CBG im Dopingtest: Können Kosmetikprodukte ein positives Ergebnis verursachen?

Von Annika Roth    An 31 Mai, 2026    Kommentare (0)

CBD und CBG im Dopingtest: Können Kosmetikprodukte ein positives Ergebnis verursachen?

Stell dir vor, du trainierst monatelang für deinen Wettkampf. Du achtest auf deine Ernährung, deine Schlafgewohnheiten und deine Erholung. Aber eines Tages bekommst du eine Nachricht, die dein Leben verändern kann: Ein positiver Dopingbefund. Die Schuld? Nichts, was du direkt als Droge eingenommen hast, sondern vielleicht das CBG Gesichtsserum, das du täglich zur Hautpflege verwendest. Es klingt nach einem Albtraum, aber es ist keine Fiktion. Immer mehr Sportler verwenden Produkte mit Cannabinoiden wie CBD (Cannabidiol) oder CBG (Cannabigerol), um Entzündungen zu lindern oder die Haut zu pflegen. Das Problem dabei: Diese Produkte sind nicht immer so rein, wie sie versprechen. Und in der Welt des Sports gibt es keinen Platz für „fast sauber". Wenn auch nur Spuren von THC (Tetrahydrocannabinol) in deinem Körper gefunden werden, giltst du als dopet. In diesem Artikel klären wir, warum selbst harmlose Kosmetikprodukte eine Gefahr darstellen können und wie du dich davor schützen kannst.

Die chemische Verwandtschaft: Warum CBG und CBD riskant sein können

Um das Risiko zu verstehen, musst du zuerst wissen, wie diese Substanzen zusammenhängen. CBG (Cannabigerol) ist ein primäres Cannabinoid, das oft als Muttermolekül aller anderen Cannabinoide bezeichnet wird. Es entsteht früh in der Entwicklung der Hanfpflanze und wandelt sich später in andere Verbindungen wie CBD oder THC um. CBD (Cannabidiol) ist das bekannteste nicht-berauschende Cannabinoid aus dem Hanf. Beide Substanzen sind in Deutschland und vielen anderen Ländern legal, solange sie aus industriellem Hanf stammen und einen sehr niedrigen THC-Gehalt haben. Der entscheidende Punkt ist jedoch die Herkunft. Hanfpflanzen produzieren natürlicherweise alle Cannabinoide. Selbst wenn ein Produkt als "THC-frei" beworben wird, kann es mikroskopisch kleine Mengen enthalten, die bei der Extraktion nicht vollständig entfernt wurden. Für den durchschnittlichen Konsumenten ist diese Spurmenge irrelevant. Für einen Spitzensportler, dessen Urin oder Haare auf Nanogramm-Niveau analysiert werden, ist jede Spur von THC ein Grund zur Disqualifikation. Die WADA (World Anti-Doping Agency) hat zwar CBD von ihrer Liste verbotener Substanzen gestrichen, aber THC bleibt streng verboten. Da CBD- und CBG-Produkte oft aus denselben Rohstoffen hergestellt werden, besteht immer das Risiko einer Kreuzkontamination.

Wie gelangen Cannabinoide in den Körper?

Viele Menschen glauben fälschlicherweise, dass Cremes, Salben oder Seren kein Risiko für einen Dopingtest darstellen, weil sie nicht verschluckt werden. Das ist ein gefährlicher Irrglaube. Die menschliche Haut ist kein undurchlässiges Siegel; sie ist ein aktives Organ, das Substanzen aufnehmen kann. Dieser Prozess wird als transdermale Absorption bezeichnet. Wenn du eine Creme mit CBG oder CBD aufträgst, dringen die Moleküle durch die oberen Hautschichten und können in das lokale Gewebe eindringen. Bei hochkonzentrierten Produkten oder häufiger Anwendung kann dies dazu führen, dass Cannabinoide in den systemischen Kreislauf gelangen - also ins Blut. Sobald sie im Blut sind, verteilen sie sich im gesamten Körper und werden schließlich über den Urin ausgeschieden. Genau dort sucht der Dopingtester. Besonders kritisch sind Produkte, die als "Full-Spectrum" oder "Broad-Spectrum" gekennzeichnet sind. Full-Spectrum-Produkte enthalten alle natürlichen Verbindungen der Pflanze, einschließlich Spuren von THC. Broad-Spectrum-Produkte sollen das THC entfernen, aber die Reinheit variiert stark zwischen Herstellern. Ohne unabhängige Laborzertifikate (Certificate of Analysis, CoA) weißt du nie genau, was wirklich in der Tube steckt.

Vergleich der Risikostufen verschiedener Cannabinoid-Produkte
Produkttyp THC-Risiko Absorptionsrate Empfehlung für Sportler
Full-Spectrum Öl Hoch Mittel Nicht empfohlen
Broad-Spectrum Creme Mittel Gering bis Mittel Nur mit CoA-Zertifikat
CBD/CBG Isolat Sehr Gering Niedrig Akzeptabel, wenn zertifiziert
Synthetisches CBG Kein Variable Theoretisch sicher, aber regulatorisch unsicher
Makroansicht von Cannabinoid-Molekülen, die durch die Haut eindringen

Haarstrichproben: Das langfristige Gedächtnis deines Körpers

Während Urintests nur eine kurze Zeitspanne (meist 1-3 Tage) abdecken, sind Haarstrichproben deutlich tückischer. Haare wachsen etwa 1,5 Zentimeter pro Monat. Wenn Cannabinoide oder deren Metaboliten in den Haarfollikel eingelagert werden, bleiben sie dort monatelang erhalten. Eine Haarprobe kann daher einen Rückblick auf bis zu drei Monate bieten. Hier liegt das besondere Problem bei Kosmetikprodukten. Wenn du regelmäßig eine Haarpflegecreme mit CBG oder CBD verwendest, können diese Substanzen nicht nur absorbiert, sondern auch äußerlich an das Haar haftend kontaminiert werden. Zwar unterscheiden Labors heute zwischen äußerer Kontamination und innerer Aufnahme, aber die Grenzen sind fließend. Besonders bei Schweißproduktion während des Trainings können Substanzen aus Cremes tief in die Haarstruktur eindringen. Ein Fall aus dem Jahr 2023 zeigt dies deutlich: Ein Radfahrer wurde positiv getestet, obwohl er behauptete, nur CBD-Badesalze verwendet zu haben. Die Analyse ergab, dass die Badesalze unerlaubte Mengen an Delta-9-THC enthielten, die über die Haut aufgenommen wurden und sich in seinen Haaren angereichert hatten. Solche Fälle zeigen, dass „außerhalb des Körpers“ angewendete Produkte keineswegs harmlos sind.

Die Grauzone der Legalität vs. Dopingregeln

In Deutschland ist der Besitz und Verkauf von CBD- und CBG-Produkten unter bestimmten Bedingungen legal. Die Grenze liegt bei 0,2 % oder 0,3 % THC-Gehalt in der Pflanze, je nach Rechtsgrundlage. Doch die WADA kennt keine solchen Toleranzen. Für die Anti-Doping-Agenturen zählt jede nachweisbare Menge an Delta-9-THC als Verstoß, es sei denn, es kann eine medizinische Notwendigkeit oder eine versehentliche Kontamination nachgewiesen werden - und selbst dann ist die Verteidigung schwierig und teuer. Das bedeutet: Nur weil ein Produkt im Supermarkt verkauft wird und legal ist, heißt das nicht, dass es doping-sicher ist. Viele Hersteller testen ihre Produkte nur auf Schwermetalle oder Pestizide, aber nicht auf präzise Cannabinoid-Profile. Ohne ein aktuelles, unabhängiges Laborzertifikat, das den THC-Gehalt auf unter 0,001 % bestätigt, spielst du Russisch Roulette mit deiner Karriere. Zusätzlich gibt es das Problem der falschen Kennzeichnung. Studien haben gezeigt, dass bis zu 70 % der CBD-Produkte nicht den Angaben auf dem Etikett entsprechen. Manche enthalten weniger CBD als versprochen, andere wiederum signifikante Mengen an THC. Bei CBG-Produkten, die noch relativ neu auf dem Markt sind, ist die Qualitätssicherung oft noch schlechter.

Haarstrang mit sichtbaren Metaboliten-Ablagerungen im Inneren

Praktische Schritte zum Schutz vor positiven Tests

Wenn du Sport treibst und regelmäßig getestet wirst, musst du extrem vorsichtig sein. Hier sind konkrete Maßnahmen, die das Risiko minimieren:

  • Lies die Inhaltsstoffe genau: Suche nach Begriffen wie „Isolat". Isolate sind hochgereinigte Formen von CBD oder CBG, bei denen alle anderen Cannabinoide, einschließlich THC, entfernt wurden. Full-Spectrum-Produkte sollten gemieden werden.
  • Verlange das CoA-Zertifikat: Jeder seriöse Hersteller stellt ein Certificate of Analysis bereit. Dieses Dokument muss von einem dritten, akkreditierten Labor stammen und darf nicht älter als sechs Monate sein. Prüfe darin explizit den THC-Wert.
  • Vermeide neue Produkte kurz vor Wettkämpfen: Teste jedes neue Produkt mindestens vier Wochen vor einem wichtigen Event. So hast du Zeit, eventuelle Reaktionen oder Kontaminationen zu beobachten.
  • Alternativen nutzen: Es gibt viele natürliche Alternativen zu Cannabinoiden in der Hautpflege. Ingwerextrakte, Kurkuma oder Menthol können ähnliche kühlende oder entzündungshemmende Effekte haben, ohne das Dopingrisiko.
  • Konsultiere deinen Verband: Einige Sportverbände bieten Listen mit geprüften, sicheren Produkten an. Nutze diese Ressourcen, statt dich auf Marketingversprechen zu verlassen.
Denke daran: Die Last des Beweises liegt bei dir. Wenn du positiv getestet wirst, reicht die Aussage „Ich wusste es nicht besser" nicht. Du musst beweisen, dass du alles in deiner Macht stehende getan hast, um eine Kontamination zu vermeiden.

Fazit: Vorsicht ist besser als Nachsicht

Die Antwort auf die Frage, ob CBD oder CBG einen Dopingtest scheitern lassen können, ist eindeutig: Ja, das können sie. Nicht wegen der Cannabinoide selbst, sondern wegen der unvermeidlichen Verunreinigungen mit THC. In der Welt des Hochleistungssports gibt es keine Grauzonen. Ein positives Ergebnis führt zu Sperren, Geldstrafen und Rufschädigung. Du musst nicht auf die gesundheitlichen Vorteile von Cannabinoiden verzichten, aber du musst intelligent wählen. Setze ausschließlich auf isolierte, zertifizierte Produkte und halte dich strikt an die Regeln. Dein Körper ist dein Instrument - behandle ihn mit der Sorgfalt, die er verdient, und vertraue niemals blind auf Labels.

Kann ich CBD oder CBG Cremes vor einem Wettkampf verwenden?

Nur, wenn es sich um ein Isolat-Produkt handelt, das von einem unabhängigen Labor als THC-frei (<0,001%) zertifiziert wurde. Full-Spectrum-Produkte sind tabu, da sie Spuren von THC enthalten können, die in einem Dopingtest nachgewiesen werden.

Wie lange bleibt THC aus Kosmetikprodukten im Körper nachweisbar?

Im Urin ist THC meist nur 1-3 Tage nach der Exposition nachweisbar. In Haarstrichproben kann es jedoch bis zu drei Monate lang nachgewiesen werden, da es in die Haarfollikel eingelagert wird.

Ist synthetisches CBG sicherer als pflanzliches?

Theoretisch ja, da synthetisches CBG im Labor hergestellt wird und keine pflanzlichen Verunreinigungen enthält. Allerdings ist die Regulierung synthetischer Cannabinoide komplex, und einige Derivate könnten ebenfalls als verbotene Substanzen gelten. Klärung beim eigenen Sportverband ist ratsam.

Was bedeuten die Begriffe Full-Spectrum und Broad-Spectrum?

Full-Spectrum enthält alle natürlichen Cannabinoide der Pflanze, inklusive Spuren von THC. Broad-Spectrum soll das THC entfernt haben, behält aber andere Cannabinoide. Für Sportler ist nur reines Isolat wirklich risikofrei.

Kann äußerliche Kontamination durch Haarpflegeprodukte einen Test verfälschen?

Ja, besonders bei Haarstrichproben. Substanzen können von außen an das Haar haften oder durch Schweiß in die Haarwurzel eindringen. Moderne Labore versuchen, äußere Kontamination zu erkennen, aber das Risiko bleibt bestehen.